VW in der Zwickmühle?
Gerald Balser, 1. September 2024
Aus Wolfsburg kommen zurzeit schlechte Nachrichten. Die Kern- und Volumenmarke des VW-Konzerns Volkswagen schlingert. Trotz eines Marktanteils in Deutschland zwischen 17 % und 18 % ist die Gewinnsituation bei VW unbefriedigend. Dies ist kaum nachvollziehbar. Eigentlich müsste die Marke im Geld regelrecht schwimmen, denn VW ist seit Jahr und Tag mit großem Abstand Marktführer in Deutschland und liegt in der Welt hinter Toyota an zweiter Stelle.
Eigentlich müsste man davon ausgehen, dass VW seinem Markennamen alle Ehre machen würde und seine Modelle zu volkstümlichen Preisen verkaufen würde. Das Gegenteil ist der Fall. Die Autos von VW sind eher im oberen Preissegment angesiedelt.
Was ist hier los. Das alles passt nicht zusammen. Warum verdient VW bei all diesen guten Voraussetzungen, dennoch so wenig Geld an einem Auto? Ein gutes Beispiel hierfür ist der Golf, der im Stammwerk Wolfsburg produziert wird. Das Erfolgsmodell erzielt nur einen geringen Stückgewinn. Dies liegt an der mangelhaften Produktivität bei üppigen Personalkosten. Ein Arbeitsplatz bei VW in Wolfsburg ist ein echter Lottogewinn. Der Haustarif von VW übertrifft den allgemeinen Tarif der IG-Metall bei weitem. Die mächtige Gewerkschaft IGM wacht zusammen mit dem VW-Betriebsrat mit Argusaugen, dass es auch so bleibt. Aber nicht nur in Wolfsburg wird zu teuer gebaut. Der Standort Deutschland ist generell zu teuer. Unter dem Strich müssen die ausländischen Standorte die teuren Standorte in Deutschland subventionieren.
Auch mit dem Transformationsprozess tut sich der Autoriese schwer. VW gibt sich wirklich Mühe und hat Milliarden an Euro in die Entwicklung des E-Autos investiert. Leider ist die Gewinnmarge der E-Autos bei VW noch noch deutlich geringer. Die Verbrenner müssen die Entwicklungskosten der E-Autos finanzieren und eine Änderung ist nicht in Sicht. Hinzu kommen der Absturz des Absatzes von E-Autos in Deutschland und die dramatische Verschlechterung des Chinageschäfts. Auch in China stehen die E-Autos von VW auf den Höfen wie Blei. Da kommt sehr viel auf einmal auf VW zu. Der Autokäufer darf sich freuen. An saftigen Rabatten für E-Autos kommt VW nicht vorbei.
Inzwischen hat der CEO des VW-Konzerns, Oliver Blume, drastische Maßnahmen hinsichtlich der Kostensituation bei der Marke VW angekündigt. Milliarden sollen in Deutschland eingespart werden. VW wird so manche Heilige Kuh schlachten müssen. Von betriebsbedingten Entlassungen bis zu Werksschließungen soll alles möglich sein. VW hat über 120.000 Mitarbeiter in den niedersächsischen Standorten Wolfsburg, Salzgitter, Braunschweig, Hannover und Emden, den sächsischen Standorten Zwickau, Chemnitz und Dresden, sowie dem hessischen Standort Kassel. Gewerkschaft und Betriebsrat wetzten schon die Messer.
Die Forderungen der IGM für 2024: